Aufsehen erregte eine Studie der EZB, der europäischen Zentralbank, die den durch bzw. seit der Coronarkrise, also seit 2019, erfolgten Preisanstieg bei Lebensmitteln erforscht hatte. Leider ist die Lage differenzierter als in der WP vom 5.12.2025 und in der Tagesschau vom gleichen Tage dargestellt:
1. In den verschiedenen europäischen Ländern war der Preisanstieg deutlich unterschiedlich.
2. In den letzten Wochen sind die Preise bei Milch, Butter etc. wieder deutlich gefallen.
3. Ein Problem – weniger bei Grundnahrungsmitteln – stellt die Schrumpfflation dar: Inhalte werden geringer, der Preis stagniert bzw. steigt sogar. Gegenmaß-nahmen sind in Österreich und Frankreich schon vorgesehen.
4. Der Anteil des verfügbaren Geldes, der für Lebensmittel ausgegeben wird, ist in Deutschland im Durchschnitt geringer als in anderen Ländern.
5. Unter Preiserhöhungen leiden besonders Rentner(innen) und Gering-verdiener(innen). Die brauchen dann einen Inflationszuschlag, damit Tafeln, Warenkörbe etc. nicht überrannt werden müssen: einen höheren Anstieg der geringen Rente bzw. einen höheren Mindestlohn.
6. Eine Äußerung: Essengehen im Restaurant ist Luxus geworden. Ja, aber war er denn 2019 Alltag? Doch die Restaurants erhalten jetzt ja eine Steuersenkung, die die Staatsverschuldung erhöht. Ob die Speisekarten nun neu gedruckt werden?
7. Dass Lebensmittelgeschäfte ältere Waren zu niedrigeren Preisen anbieten und gegebenenfalls zur Verteilung verschenken, ist erfreulich.
8. Ich bin auf Unterstützung nicht angewiesen, nehme aber durchaus preislich heruntergesetzte Waren gerne mit. Süßigkeiten, Knabbersachen etc. sind leider nicht vom Verfall bedroht. Neige dazu, Erdbeeren, Blaubeeren etc. im Winter nicht zu kaufen, damit ich mich im Sommer daran erfreuen kann.
9. Nach Einkaufszetteln Waren einzukaufen und sorgfältiger auszuwählen, reduziert die Kosten. Tests von Verbraucherzentralen belegen, dass deutlich höherer Preis sich nicht automatisch im besseren Geschmack, in besseren Zutaten, besserer Reinigungskraft etc. spiegeln.
10. Die EZB geht davon aus, dass sich die Preiserhöhungen in der Lebens-mittelbranche in Deutschland von derzeit 3% auf die allgemeine Inflationsrate von 2% senken werden, wobei Einzelprodukte wie Kaffee, Kakao etc. stärker von Ernteausfällen aufgrund des Klimawandels bedroht sind.