Straßenschild bekommt Zusatzschild und QR-Code
Die Grünen-Fraktion in Marsberg hatte angeregt, die Kardinal-Jaeger-Straße umzubenennen. Die WP vom 16.9.2026 berichtete, dass der Stadtrat dem nicht gefolgt ist.
Neue Erkenntnisse dank Forschung
Kardinal Jaegers Haltung im Nationalsozialismus war schon 2019/20 durch Peter Bürger problematisiert worden in der Publikation „Lorenz Jaeger. Kriegsbischof der deutschen Blutsgemeinschaft“. Mit zahlreichen Zitaten konnte er auf die Übernahme nationalsozialistischer Rhetorik verweisen und ihn als „Kollaborateur“ bezeichnen.
Eine Studie der Universität Paderborn offenbarte 2021 bei der Überprüfung der Fälle sexuellen Missbrauchs durch Priester im Erzbistum Paderborn, dass auch in der Ära Jaeger bekannte Täter geschützt bzw. nur versetzt worden waren. Zahlreiche Verurteilte wurden wieder in Gemeinden eingesetzt. Betroffene Gemeindemitglieder fanden dagegen keine Hilfe von der Bistumsleitung.
Straßenumbenennung „Normalität“
Schon 2015 konnte ich in einem Aufsatz Straßenumbenennungen als „neue Normalität“ bezeichnen. Nach 1945 waren schon Ehrungen von Hitler, Göring etc. durch Straßenbenennungen stillschweigend getilgt worden – auch in Brilon. Vor 20 Jahren wurde die Straße am Petrinum, die nach dem Sportfunktionär Carl Diem benannt worden war, geändert. Er hatte u.a. noch 1945 euphorisch Hunderte von Jugendlichen in den Krieg geschickt. In Soest und Rüthen wurden die Namen von Bürgermeistern aus der NS-Zeit aufgrund neuer Erkenntnisse von Straßenschildern gestrichen. In Olsberg wurde der Name der sauerländischen Dichterin Maria Kahle, der von mir nachgewiesen wurde, dass sie als Volkstumspropagandistin im Dienste des Nationalsozialismus vielfältig aktiv war, vom Straßenschild entfernt. Nicht immer nutzte man die Chance einer Umbenennung, um die Namen zu ehrender örtlicher Vorbilder zu finden.
In Marsberg wird nun der Name Kardinal Jaeger umfangreich ergänzt durch deutliche Hinweise, warum die Namensgebung falsch gewesen war. In Arnsberg wurde die Kardinal-Jaeger-Straße im Juli 2026 auf Wunsch der Anwohner umbenannt in Gutenbergstraße.


