


Sehr geehrte Celine Becker,
in der 16. Ausgabe des Bryloner Anzeigers wurde von Ihnen überraschend dessen Ende verkündet. Für Sie als Redaktionsleiterin ein bedauerlicher Schritt der Brylon GmbH, wenn er „plötzlich“ erfolgte, wie Sie mit ihrer Leitzeile „Und plötzlich schreibt man die letzten Zeilen“ andeuten. Ich bin sicher, dass die wirtschaftlichen Erwartungen, die mit dem Werbeaufkommen verbunden waren, sich nicht erfüllen ließen. Schon einmal gar nicht vor dem anstehenden Anzeigen-Sommerloch. – Sie haben sich bemüht, das wirtschaftsnahe Geschäftsmodell mit viel Einsatz zu überdecken und die Hefte interessant zu gestalten. In Erinnerung bleiben und aufbewahrt werden wird vor allem die jetzige Schützenfest-Ausgabe. Nun geht es für Sie mit und in der Rembe Marketing GmbH weiter. Jörg Schlüter in der Brylon GmbH noch Geschäftsführer wird nur Creativ Director in der neuen GmbH, die ein anderes Kapitel aufschlagen will – und zwar für „Markenkommunikation in der Industrie“. Ihnen frohes Schaffen bei den neuen Herausforderungen!
Ich kannte Clemens aus den achtziger Jahren, als er noch den Bungalow bewohnte. Er gehörte zum Dunstkreis der Demokratischen Initiative, spendete mit Anita für das Buch „Juden in Brilon“, war in der BBL lange aktiv, war wie ich Gewerkschaftsmitglied. Mindestens 15 Jahre diente er der Allgemeinheit als Ratsmitglied der Stadt Brilon.
Wenn wir uns zufällig in der Stadt trafen, gab es immer etwas zu erzählen, aber auch zu schimpfen. Als Einheimischer kannte er viele Briloner Menschen und Episoden. Clemens war ein kritischer Geist, nicht einfach, aber beständig, manchmal zu konsequent.
Er sprach von mir immer als „der Graue“, mein Vorname war ihm nie geläufig. Ihm hätte gefallen, dass ich verstärkt wieder Fahrrad fahre und nun einen kommunalpolitischen Blog betreibe.
Clemens gehörte für mich zu Brilon, er war Teil des Stadtbildes. Wir sind ärmer geworden. Ich vermisse ihn.
Auch das Bestattungswesen ist mit veränderten gesellschaftlichen Vorstellungen konfrontiert. Die Zahl der Urnenbestattungen hat erheblich zugenommen – auch in Brilon auf ca. 80%. Angesichts der Mobilität in der Arbeitswelt und der geringeren Kinderzahl ist auch die Grabpflege zu einem Problem geworden. Die Waldbestattung wird daher zunehmend als Alternative gesehen. Dem will die Stadtverwaltung entsprechen und hat vorgeschlagen, das Waldgebiet Zum Beerenscheid in Alme für Bestattungen auszuweisen.
Während im Ruhewald die biologisch abbaubaren Urnen nicht nur an Bäumen, sondern auch an Baumstümpfen oder an Felsen vergraben werden dürfen, sieht ein FriedWald (= Geschäftsmarke) dies nur an Einzel-, Familien oder Gemeinschaftsbäumen vor. Das Verwaltungs-Konzept umfasst sinnvoller Weise einen Andachtsplatz, einen Beratungsraum sowie eine Informationsfläche, aber auch Sanitäranlagen. (WP vom 21.5.26) Abgesehen davon, dass das Geld für derartige umfangreiche Investitionen knapp ist, ist der Zugang nur über einen längeren steilen Weg möglich, der besonders ältere Menschen abschrecken wird, wenn sie auf den Linienbus angewiesen sind. Wäre das dann eine weitere Aufgabe für den Briloner Bürgerbus? Oder sollte man sich noch einmal nach zugänglicheren Alternativen zum Graf Spee`schen Grundstück umsehen?
Der Besuch der 15 städtischen Friedhöfe wird so oder so etwas sinken, da mit der Urnenbestattung auch die regelmäßige Grabpflege entfällt.
Fachleute plädieren aus sozialen und pädagogischen Gründen für eine Kitapflicht vor Eintritt in die Grundschule. Etwaige (Sprach-)Defizite können so beachtet und schulische Tugenden gestärkt werden. Eltern sind teilweise gegen einen Kita-Besuch aus finanziellen, religiösen oder erzieherischen Gründen, gelegentlich aus Unwissen- nicht zuletzt aufgrund von Sprachbarrieren, die manchmal schon das Antragsverfahren erschweren. International hat sich eine Kitapflicht – oft in Verbindung mit Gebührenfreiheit – durchgesetzt. In Frankreich sogar ab dem 3. Lebensjahr als sog. Vorschule.
In NRW ist der Besuch eines Kindergartens regional unterschiedlich verbreitet, Lehrer(innen) an Grundschulen klagen oft über Defizite, die ein Kindergartenbesuch hätte reduzieren bzw. beheben können und die nun die schulische Laufbahn erschweren. Bildungsministerin Schäfers (Grüne) zeigt sich aufgeschlossen für ein Pflichtjahr und will so die Bildungs- und damit Chancengerechtigkeit stärken. (WP vom 9.6.2026) Sie sieht die Koalition in Baden-Württemberg, die sich auf ein Pflichtjahr geeinigt hat, als Vorbild. Baden-Württemberg hat schon vor bald 60 Jahren mit der Förderung eines Abiturs mit berufsbezogener Grundbildung ein bildungspolitisches Erfolgskonzept vorgelegt, das einige Benachteiligungen reduzierte.
Der Kita-Besuch der Briloner Kinder sollte jetzt erst einmal von der Stadtverwaltung jahrgangsbezogen zahlenmäßig erfasst werden. Gegebenenfalls beschränkt sich der Nicht-Besuch auf wenige Fälle, die offen für eine Beratung bzw. eine Unterstützung sind. Das sind zwar frühe Kosten, die aber langfristig Kosten senken. Zuerst profitieren die Kinder, dann Gesellschaft und Wirtschaft.
Der neue „Faktencheck Bildung HSK“ von Anfang Juni 2026 hat die Kita-Nutzung quantitativ noch nicht im Blick und kann zudem nur auf Erstberatungsgespräche mit Migrant(inn)en verweisen und weniger auf die Entwicklungsprobleme zahlreicher Kinder, die die Grundschulen später feststellen. Zur Auswahl der Kita: Zwar kann man auf bunten Bildchen (zwischen 1 und 23 Stück) die örtlichen Kitas erkennen, aber nicht deren besondere Kompetenz bei spezifischen Entwicklungsproblemen, die ja vom Personal abhängig ist.
https://www.kitaplaner.de/hsk/kitaportal/de
https://bildungsnetzwerk-hsk.de/wp-content/uploads/2026/06/Faktencheck-Bildung-2026-Mai-2026.pdf – eingesehen am 23.6.2026
Ergänzung am 25.6.2026: Auch Familienministerin Prien (CDU) hat sich jetzt für das letzte Kita-Jahr als Pflichtjahr ausgesprochen.
75% der Deutschen halten die Wirtschaftsministerin – Ex-Chefin von Westenergie, dem größten Tochterunternehmen von E.ON – für ungeeignet, ergaben kürzlich Umfragen. Die Unterschiede zwischen Ost und West waren gering, bei den Oppositionsparteien Linke und Grüne waren es sogar 85%, doch auch bei AfD-Wähler(inne)n 81%. Gerne äußert sie sich auch zu Themen außerhalb ihres Zuständigkeitsbereiches. Für Reiche kein Grund zur Panik oder zur Selbstüberprüfung. Jetzt sollen „die PR-Agenturen Scholz & Friends und die Kommunikationsagentur FGS Global die Außenwirkung der CDU-Politikerin verbessern. Bis zu 2.217.600 Euro pro Jahr sind dem Bericht zufolge für die Beratung durch FGS und Scholz & Friends eingeplant. Der Vertrag läuft zwei Jahre und kann bei Bedarf zweimal um ein Jahr verlängert werden. So könnten Beraterkosten von bis zu 8,8 Millionen Euro entstehen.“ Auf diese Idee muss man erst einmal kommen. Hat Reiche sich von Kolleg(inn)en beraten lassen, wie man Berater finanziert?
https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/innenpolitik/id_101299022/umfrage-grossteil-der-deutschen-unzufrieden-mit-katherina-reiche.htm – eingesehen am 16.6.2026
Am 19.6.2026 erreichte mich folgende Mail – wohl als Reaktion auf meinen Blog-Eintrag vom 16.6.2026, in dem problematisiert wurde, dass der „denkmalgeschützte Hoch- und Lustgarten“ (Museum Haus Hövener) entwertet werden soll durch kommerzorientierte Umbauten.
„Sehr geehrter Herr Bracht,
hiermit möchten wir Sie bitten das Foto unserer drei Esel von ihrem Blog zu entfernen.
Jack, Fridolin und Gustav sind als Esel des Briloner Heimatbundes Semper Idem e.V. durchweg positiv besetzt.
Mit freundlichen Grüßen
Doris Tilly
1.Vorsitzende des Briloner Heimatbundes Semper Idem e.V.“
Ja, Hausesel neigen zum Innehalten, sie sind sehr aufmerksam. Ihnen geht der Ruf voraus, anders zu sein: Klug und gutmütig, aber störrisch. Das gilt ausweislich von Kinderberichten auch für Jack, Fridolin und Gustav, den Eseln des Briloner Heimatbundes Semper Idem e.V. Diese Information kann ich gerne ergänzen.
Fraktionsspitzen kneifen
Der CDU-Antrag, die zahlreichen eingegangenen Verflechtungen der Stadtwerke öffentlich aufzudecken und auch mal Wirtschaftszahlen auf den Tisch zu legen, war den Fraktionsspitzen von CDU und SPD in der letzten Ratssitzung keine Stellungnahme wert. (Siehe die Blog-Einträge vom 14.6., 17.6.und 18.6.26) Unüblich und daher seltsam! Frau Bange (CDU) forderte nur ein Organigramm ein, in dem optisch die diversen Verflechtungen aufgezeigt werden. Nur Diekmann (CDU) polterte überraschenderweise los, dass zu wenig öffentlich diskutiert worden sei, sprach über Verträge und das Betriebsklima, nannte Zahlen zu Entlassungen, problematisierte auch noch den Krankenhausbetrieb. Bürgermeister Dr. Bartsch konnte ihn kaum stoppen und sagte, dass die genannten Zahlen falsch seien und bat die Pressevertreter, keine Details aufzugreifen. Die werde ich auch zurückhalten, wenn der Bürgermeister die Situation öffentlich klärt. Er ist gefordert, die Fakten und Probleme offen zu legen, um Gerüchte, die vielleicht die anwesenden Zuschauer verbreiten, nicht eskalieren zu lassen.
Ducken sich Verantwortliche weg?
Ein Vertreter der CDU versuchte nur, seinen Fraktionskollegen Diekmann abzuwerten mit dem Hinweis, er sei ja gar nicht in den Sitzungen dabei gewesen. Doch die, die regelmäßig in den Sitzungen der Stadtwerke dabei sein durften, waren zwar alle anwesend, hielten es aber nicht für notwendig, sich klärend zu melden. Früher sagten die Leute, der Fisch stinkt vom Kopf her. Meinte, dass die Verantwortlichen sich wegducken. Die Forderung nach Transparenz und Öffentlichkeit beinhaltet, dass gute Taten und sich als schlecht herausgestellte Taten diskutiert werden, um die Zukunft (noch) besser zu gestalten.
Das Haushaltsergebnis für 2025 hat sich durch verspätete Steuerzahlungen zwar etwas verbessert, doch immerhin blieb ein Defizit von 4,85 Mio. Euro, berichtete Kämmerer Heers in der letzten Ratssitzung. Für 2026 droht weiterhin ein großes Defizit von 6,8 Mio. Euro durch die gestiegenen Zuschüsse an das Krankenhaus von mindestens 2,7 Mio. Euro und den erheblichen Ausfall bei der Gewerbesteuer. Die angekündigten Gespräche mit den verschiedenen Fachbereichen haben ein Konsolidierungspotential von 1,6 Mio. Euro ergeben, zeigte sich Heers erfreut. Einige Investitionen wurden schon gebremst. Ausführlicher werde er in der nächsten Ratssitzung informieren können, wenn die Halbjahreszahlen vorliegen, versprach der Kämmerer.