





Über die mögliche Vergesellschaftung von privaten Wohnungskonzernen in Berlin konnte man jetzt im Sondierungspapier – kein Koalitionsvertrag – lesen, was Linke, Grüne und SPD verhandelt haben. Nur der Bestand über 10.000 Wohnungen im jeweiligen Konzern soll vergesellschaftet werden. Das sind ca. 160.000 Wohnungen. Dafür sollen 16 Mrd. Euro Kredit aufgenommen werden, was 100.000 €uro Entschädigung pro Wohnung im Durchschnitt entspricht. Zusätzlich sollen 100.000 Neubauten in den nächsten vier Jahren besonders für öffentliche Baugesellschaften genehmigt werden. Damit will man der Doppelproblematik der Berliner Wohnungssituation gerecht werden. Es fehlt nicht nur Wohnraum, sondern im vorhandenen Wohnraum sind die Mieten drastisch zu hoch, da die gewinnorientierten Konzerne nicht schwerpunktmäßig in Instandsetzung investieren, sondern in Modernisierung. Nur so kann man alle Kosten schnell auf die Mieter durch Erhöhungen abwälzen.
Manch ein Detail wird noch zu klären sein im Koalitionsvertrag, wenn er denn zustande kommt. Doch Berlins CDU-Landeschef Evers sieht Investoren abgeschreckt und wusste: „Das verschärft die Wohnungsnot, statt sie zu bekämpfen.“ Und die Junge Union ermunterte auf Basis des Sondierungspapiers Kanzler Merz, die im Grundgesetz verbürgte Vergesellschaftung „per Bundesgesetz umgehend per Richtlinienkompetenz“ zu verbieten.
Wie in den letzten Jahren üblich stellten Vertreter(innen) des Jugendparlaments ihre geleistete Arbeit den Mitgliedern des Stadtrates vor: eine Mischung aus gesellschaftlichem Engagement und Repräsentation. „Ein direkter Austausch mit der Kommunalpolitik“ (WP 13.10.26) war aber nicht zu erkennen. Angesichts der Wahlen sprach man mit Bundestagskandidaten und Vertretern des Auswärtigen Amtes, beteiligte sich an der U18-Wahl, fuhr zum Düsseldorfer Landtag. Die Mitglieder des Jugendparlaments wurden zum Neujahrsempfang eingeladen und nahmen am Jubiläum der Städtepartnerschaft teil. Bedeutsamer ist das gesellschaftliche Engagement: Mitglied des „Briloner Bündnis für Demokratie“, Mitorganisator der Gedenkveranstaltung zur Pogromnacht, Unterstützung der Veranstaltung „Rock für Demokratie“ auf dem Marktplatz.
Das Jugendparlament ist nicht von Jugendlichen gewählt. Jede(r) kann mitmachen. Es besteht seit Jahren überwiegend aus Schüler(inne)n der Oberstufe des Gymnasiums, Gleichaltrige aus den Berufsschulen wurden nicht angesprochen. Man versprach erneut, dass man dies ändern will. Doch auch für jüngere Schüler(innen) aller Schulformen steht die Tür zur Teilnahme an den jährlich 11 Sitzungen, an denen oft der Bürgermeister teilnimmt, offen.
schrieb Roman Pletter für „Die Zeit“ vom 1.10.2026 auf Seite 1. Gemeint war die Gerechtigkeitslücke.
Er schrieb darüber, dass jeder seine eigene soziale Frage hat: Miete oder Rente oder Spritpreise oder Strompreis etc. Zugleich ist jedem klar, dass angesichts einer älter werdenden Bevölkerung und der weltweiten Krisen und der stagnierenden Wirtschaft, wenn man von Rüstung und KI absieht, der Verteilungsspielraum deutlich enger wird. Da drängt sich plötzlich die Grundsatzfrage nach der Gerechtigkeit wieder auf. Da werden verstärkt nicht nur Ausgaben wie Beamtenpensionen und Einnahmen wie Erbschaftssteuer und Vermögenssteuer problematisiert, sondern auch das Zwei-Klassen-Krankenversicherungssystem.
Manche Umsetzung ist rechtlich schwierig oder bringt finanziell nicht das Erhoffte. Aber ich bin der Meinung: na und? Umsetzungsschwierigkeiten dürfen als Ausreden nicht gelten. Es kann erwartet werden, dass die Gerechtigkeitslücke politisch angepackt wird – auch wenn es anfangs kleine Schritte sind. Es geht um die Richtung. Um das menschenwürdige Leben für alle, das derzeit nur durch Umverteilung von Reichen zu Armen und durch ungleiche Lohn- und Rentenerhöhungen zu erreichen ist: umfassendere Erbschafts- und Vermögenssteuer nach hohen Freibeträgen sowie weitgehender Verzicht auf prozentuale Lohn- und Rentenerhöhungen zu Gunsten von Pauschalen (z.B. 150 Euro für alle). Nur so oder ähnlich werden wir ein gerechteres Land schaffen, indem wir die gravierenden Unterschiede etwas abschmelzen!
Prüft WP keine Informationen?
Am 9.10.2026 veröffentlichte die WP die Preisentwicklung in einem Briloner Supermarkt seit 2022 und kam zu dem Resultat „Wocheneinkauf kostet jetzt 10 €uro mehr“ auf der Basis von 20 Produkten. Zum Wocheneinkauf zählten seltsamerweise keine Wurst, kein Käse, kein Reis, keine Nudeln, keine Kartoffeln.
Zudem: Wenn man sich vergleichend beklagt über die Preisentwicklung bei Lebensmitteln muss man grundsätzlich beachten: Wie hoch waren die Gehalts- bzw. Rentenerhöhungen im gleichen Zeitraum. Man sollte auch wissen, dass die Lebensmittelpreise in Deutschland im Vergleich zu Ländern wie Frankreich, Belgien, Niederlande, England etc. günstig sind.
Die konkreten Zahlen, die von der WP veröffentlicht wurden, kamen mir eindeutig zu hoch vor. So habe ich bei meinem Einkauf heute Morgen in einem Briloner Supermarkt auch auf die Regale geschielt, an denen ich sonst vorbeigehe, und 12 der 20 Produkte zufällig gesehen.
| WP: Oktober 2026 | Meine Preise: Oktober2026 | |
| Apfelsaft | 2,59 | 1,29, bio 1,59 |
| Rucola | 1,69 | 100 Gramm 0,72 |
| Möhren | 1,49 | 0,90 |
| Paprika | 5,99 | rot 2,99 |
| Eier Freiland | 4,29 | 2,49 |
| Radler | 4,99 | 2,69 |
| Zwiebeln | 1,99 | 1 |
| Lauch-Stange | 0,89 | 0,69 |
| Tomatenmark | 1,99 | 0,95 |
| Butter | 2,59 | ab 1,19 |
| Nutella klein | 3,99 | 450 Gramm 3,99 |
| Kichererbsen | 1,39 | Großes Glas 1,39 |
Leider wurde nicht angegeben, welche Firma diese Daten regelmäßig erhoben hat, auf die sich die WP ungeprüft verlässt. Auf jeden Fall eignen sich die Daten für eine tendenziöse Darstellung.
Wir machen es uns im Umgang mit der AfD zu leicht. Wir versuchen, mit Sachargumenten zu überzeugen – und erreichen keinen AfD-Anhänger. Sachargumente, auch Parteiprogramme, sind nicht die Grundlage der Zustimmung zur AfD. Angesichts der kleinen und großen Krisen, der öffentlichen Streitigkeiten der Regierung um die richtige Lösung, wird Halt gesucht bei Optimisten. Und da plakatierte die AfD in Sachsen-Anhalt mit einem lachenden Siegmund: „Alles ist möglich.“ Da standen die Menschen dann stundenlang an für ein Selfie mit ihm. Nicht neben ihm stehend, sondern um von ihm umarmt zu werden.
Medial angestachelte Empörung, pauschale Wut wird geäußert. Zukunftsangst ist im Umlauf. Da helfen Sachargumente, die oft auch noch kompliziert sind, wenig. Man will Lösungen – auch wenn sie nicht ehrlich sind. Widersprüche im AfD-Programm sind nebensächlich. Es interessieren auch nicht internationale Krisenherde, die bewältigt werden müssen. Der AfD gelingt es, viele Menschen mit ihrem respektlosen Vokabular zu erreichen. Da stört offensichtlich auch nicht, dass man das „System“, die „Scheindemokratie“, „die da oben“, ablösen und durch sich selber ersetzen will. Da stört es auch nicht, dass manch ein Funktionär seine weitläufigen Verwandten, aber auch Extremisten, durch Vetternwirtschaft umfangreich bereichert. Da stört es auch nicht, dass einige AfD-Mitglieder Nazis sind.
Wir benötigen eine ausstrahlende Politik, nicht nur analytisch auf der Sachebene, auch die Demokraten müssen zu den Menschen hin und nicht grübelnd im Wohnzimmer verharren. Und es muss auch in Krisen gerecht zugehen, das heißt: Umverteilung. Das ist schwierig, wenn der zu verteilende Kuchen nicht größer wird. Aber mit den Worten von Frau Merkel müsste es heißen: „Wir schaffen das!“ Da ist es auch nicht sinnvoll, wenn nach Verkündigung einer Entscheidung der Regierungskoalition, 5 Minuten später irgendein Provinzfürst das Gegenteil behauptet.
Ergänzung: Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) hat nach der Verabschiedung der Zuckersteuer durch die Koalition diese abgelehnt und gesagt: Zuckersteuer ist Teuer-Steuer.
Galt der 1991 verstorbene Kardinal seit 2023 als Angeschuldigter, so liegen nun Zwischenergebnisse einer unabhängigen Überprüfung durch das Münchener Sozialforschungs-Institut IPP vor, die zulassen, den hochangesehenen Bischof als „Täter“ zu bezeichnen. Er soll nachweislich mindestens drei Mädchen und vier Jungen missbraucht haben. Noch 2011 hat der derzeitige Ruhr-Bischof Overbeck aufkommende Vorwürfe nicht verfolgt, da er sich nicht vorstellen konnte, dass ein „so heroisierter Bischof“ zu so etwas fähig sei. Hengsbach galt als „Lichtgestalt des Katholizismus“, der durch sein autoritär-patriachalisches Auftreten seine Umgebung dominierte. 1987 erregte der damals 77-Jährige Bischof, der ein Jahr später zum Kardinal ernannt wurde, Aufmerksamkeit, als er der Theologieprofessorin Uta Ranke-Heinemann die Lehrbefugnis an der Uni Paderborn entzog. Sie hatte das Dogma von der Jungfrauengeburt Jesu angezweifelt.
Schon 2023 wurde neben dem Essener Dom eine Statue des Kardinals entfernt. 2024 wurde der Kardinal Hengsbach-Platz in Friedensplatz umbenannt. Gegenstand der weiteren Untersuchungen ist jetzt auch, inwieweit er missbräuchliches Verhalten von Priestern gedeckt hat. Ergebnisse werden für 2027 erwartet.
Darauf will der Bestwiger Gemeinderat nicht warten. Er distanzierte sich von dem in Velmede geborenen Kardinal, dem die Ehrenbürgerschaft zugesprochenen worden und nach dem eine Ruhrbrücke benannt worden war. (WP vom 2.10.2026) Jetzt sucht man nach einem neuen Namen.
Geschichte aus der Kiste: „Die kleine Glitzerblume“
Am Samstag, den 24.10.2026 lädt die Stadtbibliothek Brilon passend zum Tag der Bibliotheken wieder zur gemütlichen Vorlesezeit ein. Um 11 Uhr wird für Kinder im Alter von 3 bis 5 Jahren die Geschichte „Die kleine Glitzerblume“ von Heidi Leenen im Holztheater Kamishibai gezeigt. Die Veranstaltung findet im Rahmen von Brilon natürlich statt. Eichhörnchen und Rabe verbringen mit der wunderschönen Glitzerblume einen magischen Sommer. Als der Herbst naht, stehen Veränderungen und Abschied bevor. Eine liebevolle Geschichte über Freundschaft – mit einem überraschenden Happy End. Kamishibai ist quasi „ein Bilderbuchkino ohne Strom“ und eignet sich hervorragend für das Vorlesen im kleinen Kreis. Deshalb sind die Plätze begehrt. Um Anmeldung wird unter Tel. 02961 / 794460 oder info@stadtbibliothek-brilon.de gebeten.
„Probier doch mal die Onleihe 3.0 aus!“
Individuelle Beratung zur Onleihe 3.0 und eBook-Readern in der Stadtbibliothek Brilon. Am Mittwoch, 21. Oktober 2026 lädt die Stadtbibliothek Brilon wieder zum Informationsnachmittag rund um die Onleihe 3.0 ein. Von 16:00 bis 17:30 Uhr steht Gertraud Mengeringhausen interessierten Besucherinnen und Besuchern für Fragen zu den digitalen Angeboten der Stadtbibliothek zur Verfügung. Ob Unterstützung bei der Nutzung des eBook-Readers, der neuen Onleihe-App oder der Webseite benötigt wird – an diesem Nachmittag werden individuelle Anliegen beantwortet. Eigene Endgeräte können gerne mitgebracht werden. Selbstverständlich steht das Bibliotheksteam während der Öffnungszeiten immer für Fragen rund um die neue Onleihe bereit. Weitere Informationen erhalten Interessierte unter www.stadtbibliothek-brilon.de oder telefonisch unter 02961/794-460.
Texte: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Stadt Brilon
Wahlergebnisse
Bei der Europawahl im Juni 2024 erhielt die AfD im HSK 12,5 % der Stimmen. Bei der Bundestagswahl im Februar 2025 lag das Kreisergebnis bei 15,9% der Erst- und bei 16,7% der Zweitstimmen. Aus Brilon kamen 16,77% der Erst- und sogar 17,89% der Zweitstimmen. Zur Kommunalwahl im September 2025 trat die AfD in Brilon nicht an. Sie hatte keine Kandidat(inn)en für die Stadtteilbezirke und Ortsteile. Für den Kreistag stimmten 12,1% der Bevölkerung für die AfD, in Brilon 12,58%.
AfD vor Ort präsent
In der Zwischenzeit ist die AfD weiterhin aktiv und schwimmt auf der Erfolgswelle aus den östlichen Bundesländern. Man trifft sich in Briloner Gaststätten, kann man der WP entnehmen. Man muss sich vorher anmelden, um nicht gestört zu werden, steht dort. Man war am gestrigen Samstag wieder mit einem Stand am Marktplatz präsent. Auch wenn offensichtlich nur Mitglieder sich trafen und niemand offensiv angesprochen wurde, machen sie so ein öffentliches Angebot. Angesprochen werden aber so Menschen, die sich nicht öffentlich bekennen wollen, doch im Wahllokal geheim bei der AfD ein Kreuz machen könnten.
Heraus zu den Menschen!
In den neuen Bundesländern gilt die AfD als Partei, die sich um die Menschen kümmert ausweislich ihrer öffentlichen Präsenz. Die Gefahr besteht auch bei uns. Warum? Weil CDU, SPD, BBL, FDP und Linke im Stadtbild nicht präsent sind. Unsere demokratischen Parteien könnten doch auch mal abseits der Wahltermine Angebote in der Innenstadt machen. Warum nicht abwechselnd samstags immer zwei Stände am Marktplatz: z.B. Linke und CDU, dann SPD und FDP, dann BBL und CDU, Linke und SPD etc. Kann man ja auch auslosen. Unsere Ortsparteien müssen vor den Menschen ihre sinnvollen Maßnahmen erläutern. Sie müssen hören, wo der Schuh drückt. Man darf sich nicht nur alle vier Jahre vor den Wahlen öffentlich zeigen und ansonsten im eigenen Saft schmoren. Man ist doch keine elitäre Kaste. Man muss doch das Gespräch suchen – nicht als Besserwisser – , sich öffentlich den Menschen stellen, zuhören. Und die Demokratie verteidigen, die wir ansonsten verlieren könnten. Es reicht nicht, wenn das „Briloner Bündnis für Demokratie“ mal ein Rockkonzert organisiert.
Von Dienstag, 20. Oktober bis Samstag, 31. Oktober 2026 findet in der Stadtbibliothek Brilon ein Bücherflohmarkt statt. Im Angebot sind Kinder- und Jugendbücher, Romane und weitere Medien. Die Medien können gegen kleines Geld erworben werden. Zu folgenden Zeiten kann gestöbert werden: dienstags von 10-18 Uhr, mittwochs bis freitags von 10-13 und 14.30-18 Uhr und samstags von 10-13 Uhr. Der Bücherflohmarkt findet im Veranstaltungsraum im 1. Obergeschoss statt. Weitere Informationen gibt es unter www.stadtbibliothek-brilon.de oder telefonisch unter 02961/794-460.

Text: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Stadt Brilon, Bildrechte: Stadt Brilon
In einem Jahr hat sich der Bücherverkauf für 10- bis 15-Jährige bundesweit um 30,6 Prozent verringert, war jetzt vom Börsenverein zu hören, der dies als Auswirkung der „Lesekrise“ in Deutschland betrachtet.