Kardinal Jaeger in Missbrauchsskandal verwickelt
Mehrfach berichtete die WP über eine mögliche Umbenennung der Kardinal-Jaeger-Straße in Essentho. Die Diskussion basiert auf der Missbrauchsstudie der Universität Paderborn, die für die Amtszeit Jaegers von 1941-1973 von 316 missbrauchten Kindern und 144 beschuldigten Priestern ausgeht. Delikte sollen vertuscht und Täter geschützt worden sein. In einer Studie der katholischen Fakultät zu Jaegers Stellung zum Nationalsozialismus war festgestellt worden, dass er sich teilweise nationalsozialistischen Jargon besonders im Bereich des Soldatischen zu eigen gemacht haben.
Während einige Mitglieder des Marsberger Rates auf Umbenennung der Straße drängen, weil üblicherweise Personennamen auf Straßenschildern eine Ehrung darstellen und den Personen eine Vorbildfunktion zugesprochen wird, hat sich jetzt eine Bürgerinitiative gebildet, die das Schild beibehalten will, aber eine zusätzliche Informationstafel wünscht, auf der die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse dargestellt werden.
Die Bürgerinitiative begründet ihren Wunsch auch damit, dass „eine Hinweistafel mehr kritisches Bewusstsein (erzeugt) als ein neuer, nichtssagender Straßenname“. Dem kann man sicher folgen.
Der Weg zur Jakobuslinde
Ich frage mich: Hätte man dann nicht auch die Schilder Hermann-Göring-Straße oder Hindenburgplatz beibehalten und mit einer Informationstafel versehen können? Der Briloner Stadtrat hatte sich in einem ähnlich gelagerten Fall für eine Umbenennung entschieden – und zwar beim Carl-Diem-Weg vor dem Petrinum. Carl Diem hatte als Sportfunktionär u.a. noch im März 1945 Hitlerjungen zum „finalen Opfergang“ aufgerufen und war daher vom Stadtrat mehrheitlich als zu belastet eingestuft worden.
Aber muss man denn überhaupt einen „nichtssagenden Straßennamen“ wählen? Gibt es nicht Persönlichkeiten aus der Marsberger Geschichte – auch aus der NS-Zeit – deren Erwähnung auf einem Straßenschild kritisches Bewusstsein fördert? Ich denke an Gegner des NS-Systems, an Opfer des NS-Systems. Die Mitarbeiter(innen) des Stadtarchivs wären sicher in der Lage, vielfältige Vorschläge zu machen, damit es nicht so endet wie in Brilon: Da wurde aus dem „Carl-Diem-Weg“ „Zur Jakobuslinde“.




