Es fehlt (preisgünstiger) Wohnraum – besonders in den Großstädten. Dort werden aber 8 Mio. qm Büroraum ungenutzt (etwas auch in Brilon), 1,8 Mio. Wohnungen stehen deutschlandweit leer (einige auch in Brilon), 550.000 Wohnungen werden als Ferienwohnungen zweckentfremdet (auch einige in Brilon und seinen Ortschaften).
Der Bau-Turbo soll eine Beschleunigung des (Um-)Bauens bringen – vor allem für Wohnraum. Doch wenn kein hinreichendes Geld für ein Eigenheim bzw. Mietobjekt vorhanden ist, hilft auch keine Beschleunigung des Planungs- und Genehmigungsverfahrens. Das Problem liegt eher in den Baukosten. Dass diese Schnellbauten dann auch „bezahlbaren Wohnraum“ bieten, ist nur eine verbreitete Hoffnung. Belege gibt es leider nicht.
Aufstellungen oder Änderungen von Bebauungsplänen sollen aber nun nicht mehr notwendig sein – erst einmal befristet bis 2030. Bauanträge gelten als genehmigt, wenn sie von der Bauverwaltung der Stadt nicht binnen drei Monaten abgelehnt werden. Das eröffnet für bisher im Innenstadtbereich nicht gewollte Projekte und den Außenbereich zerfransende Häuser neue Chancen. Denn es ist fraglich, ob die Bauämter alle Prüfungen, die sich als notwendig und bewährt erwiesen haben und die eine von der Bevölkerung gewünschte Stadtentwicklung beachten, binnen drei Monaten erledigen können. Hier sind neue Abläufe zu organisieren, um dies halbwegs zu schaffen.
Bauministerin Hubertz sieht in dem Turbo „ein mutiges Instrument, das unser Land wirklich nach vorne bringen kann“, doch es schwächt deutlich die kommunalen Gestaltungsmöglichkeiten. So können etwa ganze Straßenzüge nachverdichtet werden durch Aufstockungen und Anbauten oder auch Hinterlandbebauungen ermöglicht werden.
Der Rat muss nun entscheiden, ob er den sog. Bau-Turbo, der vom Bundestag im Oktober 2025 beschlossen wurde, für unsere Stadtentwicklung als sinnvoll ansieht.

