In den letzten Tagen war eine Freundin viel unterwegs im Raum Brilon – zu Frühjahrsspaziergängen u.a. im Kurpark und in Nehden. Im Kurpark waren die verschiedenen Felder mit blühenden Osterglocken zu bestaunen. Im Nehdener Raum machte sie eine Anzahl von Fotos zu den neuen Windrädern.
Kürzlich zeigte sie die Fotos von Sonnenblumen und Windrädern ihrer Tochter. Diese ließ sich zwei Fotos schicken und gab ihrem guten Smartphone den KI-Befehl, die beiden Fotos zusammenzufassen. So entstand im Nu dieses Foto – eine überzeugende Fälschung. Wer nicht bis zu dieser Stelle gelesen hat, wird im Kurpark die Windräder vergeblich suchen.

Kann ich angesichts dieser technischen Möglichkeiten keinem Foto mehr trauen? Ich weiß ja, dass manch ein Foto am einsamen Strand mit Wohnmobil bei sonnigem Wetter und nur leichtem Wind gestellt ist. Oder ist das schon eine Fälschung, weil es für ein Wohnmobil gar keine Zufahrt zu diesem Strandteil gibt? Schon früh habe ich gelernt, dass manche historischen Fotos retuschiert wurden: Unliebsame Personen fehlten plötzlich. Auch manch ein Kosmetikkonzern verändert Bilder, um die Schönheiten zu optimieren, manch ein Chemiekonzern benötigt beeindruckende Vorher-nachher-Bilder. Muss ich heutzutage auch schon hinterfragen, wenn mir ein Nachbar, ein Familienmitglied etc. ein Foto zeigt, ob das die Realität ist? Ich rege mich schon auf, wenn eine Zeitung zur Gestaltung eines Artikels ein Archiv- bzw. Symbolbild nutzt – besonders, wenn dies mehrere Jahre alt ist. Von einem Bild meiner Oma bin ich schon immer sehr beeindruckt. Es zeigt ihre Alterung und ihr entbehrungsreiches Leben.
Fotos spiegeln nie die Realität. Wer erkennt schon den Ausschnitt, wer weiß schon, wie die Umgebung aussieht, welche Personen oder Krokodile oder Pinguine weg- oder reinretuschiert wurden. Man nennt diese Verfälschung, diese Nachbesserung harmlos: Bildbearbeitung.
Ich traue nur noch den Fotos, die ich selber gemacht habe.
