
In manchen Flussabschnitten von Möhne und Ruhr stellte das Hygiene-Institut der Uni Bonn im Sommer 2006 einen 50-fach erhöhten PFT-Gehalt des Wassers fest. In Forellen wurde der Toleranzwert um das 60-fache überschritten. Fische aus der Region sollten nicht mehr gegessen, Wasser für Säuglingsernährung abgekocht werden. Die perfluorierten Tenside sind eine künstliche Chemikalie, die sich im menschlichen Körper anreichert. Verwendung finden sie als Beschichtung von Kleidung, Papier etc.
Schon nach einer Woche war die Ursache gefunden: sog. Bio-Kompost einer Forst-Rekultivierungsfläche in Scharfenberg. Eine Anlage von 8 Aktivkohlefiltern sollte dann den Eintrag ins Grundwasser stoppen; sie wurde später durch eine stationäre Anlage ersetzt.
Zwei holländische Firmen hatten belasteten Klärschlamm an die Paderborner „GW Umwelt GmbH“ geliefert, die den Naturschutzbehörden nicht unbekannt war. Der Betrieb gab den Klärschlamm verdünnt an Landwirte ab, die ihn – teilweise wohl gegen Bezahlung – dann auf Felder aufbrachten. Das war nur ein kleiner Teil der 54.000 Tonnen, die die Firma deutschlandweit verkauft hatte. Zwei Ingenieure und der Geschäftsführer der Firma wurden verhaftet, nachdem auch 2 BBL-Mitglieder Strafantrag gestellt hatten.
Der Bluttest bei 350 Arnsberger Einwohnern im März 2007 ergab eine Belastung, die bis zu achtfach über dem Richtwert lag.
Die Verhafteten wurden nach 5 Monaten im April 2007 entlassen. Der Grabenkrieg zwischen NRW-Regierung (CDU) und Opposition (SPD/Grüne) begann – und interessiert mich nicht. Die Belastungswerte sanken. Nach einer Verfahrensdauer von ca. 15 Monaten wird der Prozess gegen die 5 Angeklagten gegen Geldauflage im April 2013 eingestellt. Sie sollten insgesamt 440.000 Euro zahlen. (Die WAZ hatte 5 Jahre Haft erwartet.) Die Reaktion einer Scharfenbergerin: „Die Einstellung des Verfahrens ist wie eine Regieanweisung für Umweltsünder.“ Die Lieferfirma aus Paderborn war da schon seit 2007 pleite.

Schon bis 2012 hatte der Hochsauerlandkreis 2,4 Mio. Euro für die Filteranlagen plus 70.000€/jährlich an Betriebskosten ausgegeben. 2020 und nun im Oktober 2025 wurde die Sauerländer Bürgerliste aktiv und erkundigte sich nach dem Stand der Sanierung des Geländes. So konnte man der Vorlage 10/1295 der Kreisverwaltung folgende Fakten entnehmen:
- Die Filteranlage reinige das versickernde Niederschlagswasser weiterhin gut: unterhalb der Nachweisbarkeitsgrenze von PFT.
- Die Bodenbelastung sei dagegen nur leicht gefallen und sehr unterschiedlich.
- Die Anlage müsse evtl. noch Jahrzehnte in Betrieb bleiben.
- Die bisherigen Kosten lägen inzwischen bei 3,1 Mio. Euro, doch würde das Land NRW 80% übernehmen = 2,48 Mio. An den Betriebskosten von derzeit 80.000 Euro jährlich beteilige sich das Land nicht. Von den Schuldigen sei aufgrund von Privatinsolvenz nichts zu holen.
Gut, dass die SBL uns nicht nur an die laufenden Kosten erinnert und so das Bewusstsein für Umweltsünden stärkt.
https://www1.wdr.de/archiv/jahresrueckblick/pftskandal100.html – eingesehen am 5.11.2025
https://sbl-fraktion.de/?cat=3 – eingesehen am 5.11.2025
Vorlage 10/1295 der Kreisverwaltung für die Kreistagssitzung am 24.10.2025

Der Besuch vor Ort zeigte große seit fast 20 Jahren nicht mehr nutzbare landwirtschaftliche Flächen, zwei Wasserbecken und eine Halle, in der die Reinigung des Sickerwassers erfolgt. Ein Anwohner: Alle paar Monate kommt ein Tankwagen zum Abholen des belasteten Materials. Das Gelände machte einen ungepflegten Eindruck.
