Scharfenbaum kandidierte 2014 zum Bürgermeisteramt und war als der Bevölkerung bekannter Schauspieler der Theatergruppe „Maulaffenfeil“ durchaus erfolgreich, auch wenn es zum Amt nicht reichte. Er wurde dann 2015 auf Vorschlag der CDU bis Ende 2020 als Sachkundiger Bürger in den Strukturausschuss gewählt. 2019 war er bei der Gründung des Ortsverbandes der Grünen dabei. Zu den Kommunalwahlen 2020 trat er dann an 3. Stelle auf der Grünen-Liste an. Da die Liste drei Plätze erhielt, rutschte er ganz knapp in den Rat. Seine Ambitionen, stellv. Bürgermeister zu werden, scheiterten, doch wurde er zusammen mit der Grünen Spitzenkandidatin Lisa Brom Teil des Fraktionsvorsitzes. Zudem wurde ihm der Vorsitz im Strukturausschuss überlassen. In den letzten Jahren zeigte das Abstimmungsverhalten der Grünen sehr häufig eine Nähe zur CDU auf. Auf der Podiumsveranstaltung des Jugendparlaments mit Vertreter(inne)n aller Parteien machte der nicht gut vorbereitete Scharfenbaum zum Erstaunen aller Anwesenden Wochen vor der Wahl öffentlich, dass er den Bürgermeister-Kandidaten der CDU unterstütze – und über die WP-Berichterstattung zum Thema in der Öffentlichkeit. Noch bis zum Ende des Wahltages rief er als Spitzenkandidat auf der Grünen-Liste zur Wahl der Grünen mit einem großformatigen Foto von sich an vielen Laternen auf. Doch für seine Annäherung an die CDU erhielten die Grünen von der Wählerschaft eine Klatsche: nur ein Sitz im Rat. Und der fiel an ihn.
Flucht zur CDU
Scharfenbaums freundschaftlichen Kontakte zu einem CDU-Mann im Rat erleichterten nun einen Wechsel in die CDU. Nun müssen nicht nur seine 34 Wähler(innen) sich betrogen fühlen, sondern alle Briloner Bürger(innen), die die Grünen gewählt haben. (So auch Franz Schrewe in der WP vom 29.10.25) Kein neues Ereignis hat seinen Parteiwechsel bestimmt. Scharfenbaum hätte auch ohne Wechsel immer mit der CDU stimmen können. Doch es ging ihm nicht um inhaltliche Fragen. Er wollte Machtteilhabe. Das hat zu deutlicher Kritik aller anderen Parteien geführt – nicht zuletzt der Grünen. Sie sind nun nicht mehr im Rat vertreten. Sie fühlen sich für sein Machtstreben ausgenutzt.
CDU nimmt jeden
Und die CDU-Fraktion, nimmt die jeden? Offensichtlich! Die Betonung vieler vorangegangener Gespräche durch den CDU-Fraktionsvorsitzenden mit Scharfenbaum gegenüber der WP kann diese Sicht nicht verdecken. Eher vermitteln diese Hinweise, dass es ein abgekartetes Spiel gewesen sein könnte. Und die CDU-Basis? Kopfschütteln! Eine CDU-Wählerin schrieb in der WP: Sie erwarte mehr „politischen Anstand“ und sah auch keinen „glaubwürdigen Zeitpunkt“. Ein anderer Leserbriefschreiber machte es kurz: „Charakterfrage“. Nicht nur beim Täter?
