„Donald Trump ist eine außerordentlich gut an die gegenwärtige Situation ange-passte Lebensform. Eine seiner Eigenschaften, über die sich die Berater leise beklagen, obwohl sie sich laut und deutlich darüber entrüsten sollten, ist, dass er nie liest. Keine Bücher, die gehören ins Museum, keine Zeitungen, die befinden sich auf dem Wege dahin,; noch der naivste Internet-User würde ohne jedes Zögern das Bild eines Trumps, der in seinem Jet sitzt oder in Mar-a-Lago in einem Sessel und statt einem Bildschirm oder Hamburger ein Buch in der Hand hält, als eines der abstrusesten Deepfakes einstufen, die man sich nur denken kann. Was seine Berater schwer beschäftigt, obwohl sie sich eigentlich darüber freuen sollten, ist, dass Trump nicht einmal die einseitigen oder sogar nur halbseitigen Erläuterungen liest, die sie ihm zur Vorbereitung auf ein Interview vorlegen, und auf denen die wesentlichen Punkte der zu erörternden Fragen aufgelistet sind. Diese Erläute-rungen würdigt Trump keines Blicks. Keine Seite, keine halbe Seite, nicht einmal eine Zeile. Trump funktioniert nur mündlich. Was eine ständige Herausforderung für jeden darstellt, der ihm auch nur das geringste strukturierte Wissen zu ver-mitteln wünscht.
Aber was hat das schon für eine Bedeutung, schließlich zählt vor allem die Aktion, und Kenntnisse sind, wie wir alle wissen, deren schlimmster Feind. Eine chaotische Umgebung verlangt kühne Entscheidungen, die die Aufmerksamkeit der Öffent-lichkeit auf sich ziehen und binden, während sie die Gegner sprachlos machen.“
Aus: Giuliano da Empoli, Die Stunde der Raubtiere. Macht und Gewalt der neuen Fürsten, München 4. Auflage 2026
Derzeit palavert Trump nach Nigeria und Venezuela noch über Militäraktionen gegen Kolumbien, Mexiko, Kuba, Grönland und Iran.






